Religion will Menschen immer wieder herausfordern und aus ihrer Komfortzone locken. Dieses Ziel wollen auch die Fachschaften Religion bei ihren Schülerinnen und Schülern erreichen. In diesem Sinne stand der Schuljahresbeginn ganz im Zeichen des großen Reformators Martin Luther, der die Menschen seiner Zeit wie kaum ein anderer herausgefordert hatte. Christen aller Konfessionen feierten das 500-jährige Jubiläum des sog. Thesenanschlags am Tor der Wittenberger Schlosskirche. Zunächst veranstalteten die drei Rosenheimer Gymnasien zusammen einen bunten Reformationsgottesdienst auf dem Gelände der Landesgartenschau. Bereits zwei Wochen später war der Jugendbuchautor und Preisträger des Rosenheimer Literaturpreises Alois Prinz zu Gast an unserer Schule. In einer sehr kurzweiligen Lesung brachte er den Schülern und Schülerinnen der 8. Jahrgangsstufe Martin Luther auf eine sehr persönliche Weise nahe. Während des ganzen Monats Oktober informierte zudem eine Wanderausstellung über das Leben und Wirken Martin Luthers im Zwischentrakt unserer Schule. Auf sieben Stelen wurden Anregungen gegeben, um aktuelle gesellschaftliche Wandlungsprozesse für die Schule zu erschließen und um über das Zeitalter der Reformation zu informieren. Die Reformation, ursprünglich der Versuch Luthers, zur guten alten Kirche zurückzukehren und zahlreiche Missstände abzubauen, führte letztlich zu einer so von Luther nicht beabsichtigten Kirchenspaltung, auch einer Spaltung der deutschen Gebiete in katholische und protestantische. Noch als alter Mann betonte er, hätte er diese Entwicklungen im Vorhinein gekannt, so hätte er besser geschwiegen. 


Im Advent, in der Fastenzeit und zum Schuljahresende feierten wir zusammen ökumenische Schulgottesdienste, die von unserer jahrgangsübergreifenden Gottesdienstgruppe vorbereitet. Sehr erfreulich war es dabei in diesem Jahr, dass so viele neue Gesichter aus den 5. Klassen der Gottesdienstgruppe beigetreten sind. In gelebter Ökumene gestalteten Pastoralreferent Christian Eichinger vom katholischen Schüler- und Studentenzentrum und Pfarrer Dr. Bernd Rother von der evangelischen Erlöserkirche unsere Gottesdienste. Bei allen Beteiligten möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken! 


Ende Oktober verbrachten Schülerinnen und Schüler der Gottesdienstgruppe zusammen mit Frau Ewe und Herrn Kassler zwei Tage auf der „Unteren Miesenaualm“ bei Aschau. Bei diesem traditionellen Wochenende konnten wir sogar den Abend draußen am Lagerfeuer verbringen. Das Wochenende dient zudem dazu, sich besser kennenzulernen und neue, kreative Ideen für die Gottesdienste zu gewinnen.


In der Adventszeit schmückte auch in diesem Jahr ein Christbaum unseren Schulhof, dessen Weihnachtsschmuck von Woche zu Woche wuchs, da in den verschiedenen Religionsgruppen Kugeln und Sterne gebastelt wurden, auf denen sehr persönliche Wünsche und Fürbitten standen. In zwei Adventsmeditationen wurden vor Schulbeginn Geschichten und Texte vorgelesen, in denen man sich auf das Eigentliche der Adventszeit konzentrieren und einfach mal still und besinnlich werden konnte.


Bereits zum vierten Mal sammelten wir in der Fastenzeit gemeinsam mit der Fachschaft Ethik für das sozialpädagogische Jugendhaus in Pullach bei Bad Aibling, in dem die Diakonie eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ab 15 Jahren unterhält. Sie oder ihre Familien sind Opfer von Verfolgung, Zwangsrekrutierung und alltäglicher Bedrohung. Traumatische Erlebnisse prägen ihre Kindheit und Jugendzeit. Sie werden in Pullach betreut, lernen in Sprachkursen Deutsch und sind sehr motiviert bei dem Ziel, eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung machen zu können und sich in die Gesellschaft zu integrieren. 


In den 10. Klassen beschäftigten sich die Religionsgruppen von Frau Ewe, Frau Vogl und Herrn Frainzl und auch die Ethikgruppe von Frau Kassler mit den sozialen und psychischen Folgen psychischer Erkrankungen im Rahmen des BASTA-Projekts. Im Mai besuchten Betroffene gemeinsam mit ihren Betreuerinnen und Betreuern den Unterricht der Religionsgruppen, wodurch es zu direkten und teilweise intensiven Begegnungen kam, die dazu beigetragen haben, psychisch erkrankten Menschen in Zukunft mit mehr Offenheit und Sensibilität begegnen zu können.


An der Taizéfahrt, organisiert von Frau Ewe, nahmen Schüler und Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe teil. Neben der Erfahrung eines einfachen Lebensstils standen die Gemeinschaft mit Jugendlichen aus aller Welt, die inhaltliche Arbeit mit der Bibel und die Konzentration auf sich selbst im dreimaligen Gebet mit den Brüdern der Communauté im Vordergrund. Die vielen über Tag geknüpften Kontakte konnten nicht nur in den Kleingruppen nach den Bibeleinführungen, sondern auch bei gemeinsamer praktischer Arbeit und abends beim meist musikalischen Tagesausklang am Ojak intensiviert werden. So bleibt Taizé allen als ein schönes und intensives Erlebnis in Erinnerung.


Werner Kassler