Durchschnittlich ein Prozent aller Menschen macht mindestens einmal in ihrem Leben die außerordentlich unangenehme Erfahrung, dass ihr Leben und ihre Wahrnehmung, ihr Denken und die Welt um sie herum, die Realität vollkommen aus den Fugen gerät und bis dato unbekannte, bedrohliche und schreckenerregende Züge annimmt. Man spricht bei diesem Phänomen davon, dass die Betroffenen eine schizophrene Episode durchleben. Schizophrenie, das ist keine Erkältung und auch keine Grippe, Schizophrenie ist nichts, was sich so einfach aussitzen oder ignorieren lässt. Schizophrenie ist eine Erkrankung des Gehirns, genauer gesagt der Psyche. Sie zählt wie viele weitere Erkrankungen, die die Psyche der Betroffenen in „kranke“ Bahnen zwingen, wie Depressionen, Borderline und sonstige Persönlichkeitsstörungen, zu den schweren und vor allem akuten seelischen Störungen. Gemein haben alle psychischen Störungen, dass sie im akuten Fall, also beispielsweise einer schizophrenen Episode, dringend und vor allem möglichst rasch einer professionellen psychatrischen Behandlung bedürfen. Es klingt im Grunde genommen für einen Außenstehenden recht simpel. Man merkt, dass etwas nicht stimmt, geht zum Arzt und bald ist alles wieder wunderbar und schön. Doch in der Realität ist der Weg von dem Ausbruch einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung hin bis zur Therapie von großen Schwierigkeiten und Hindernissen gepflastert, weshalb nicht alle Betroffenen schnell genug die Möglichkeit von Hilfe erreichen können. An einigen dieser eben bezeichneten Hürden ist unsere Gesellschaft nicht ganz unschuldig. Angst, Halbwissen oder gar Unwissenheit und vor allem die Brandmarkung von Betroffenen als „Gestörte“, „Psychos“ und vieles Weitere machen den erkrankten Menschen ihr ohnehin strapaziöses Leben noch um ein großes Stück beschwerlicher. Aus diesen und anderen Gründen hat sich das Projekt BASTA die ehrgeizige Aufgabe gestellt, die dringend benötigte Aufklärungsarbeit zu leisten.

Die Zielsetzungen des Projektes „BASTA“ bestehen primär darin, der gesellschaftlichen Stigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen sowie der allgemeinen Unwissenheit durch Aufklärungsarbeit explizit gemeinsam mit Betroffenen, entgegenzuwirken. In der Praxis beschränkt sich die Tätigkeit der im Projekt Mitwirkenden nicht nur auf das bloße Bereitstellen und Verfassen informativer Schriften, die in der Schule den Schülern in die Hand gedrückt werden und nach wenigen Tagen aus dem Sinn verschwunden sind, sondern sie umfasst ein ausgiebiges Gesamtkonzept inklusive der Begegnung und dem Gespräch mit einer betroffenen Person. Selbstverständlich existiert besagtes gedrucktes Informationsmaterial ebenfalls, doch sollen sich im Optimalfall hier die Schüler den Großteil selbst erarbeiten. Das großzügig bereitgestellte Gesamtpaket beinhaltet auch die Lebens- und Krankengeschichten erkrankter Menschen. Für die Schüler wird spätestens hier deutlich erkennbar: Psychische Erkrankungen lassen sich in gar keinem Fall auf eine besondere Risikogruppe reduzieren. Das Bewusstsein zu schaffen, dass psychische Erkrankungen praktisch jeden treffen können, ganz gleich welcher Gesellschaftsschicht und sozialer Konstellation der jeweilige Mensch entstammt, wirkt mehr als effektiv der Stigmatisierung und vor allem den Vorurteilen entgegen. Diese Referenzbeispiele verleihen den gesichtslosen Erkrankungen ihr menschliches Antlitz und machen sie zu etwas real Greifbarem. Ganz „normale“ Menschen sind auf dem weißem Papier zu erkennen und eben keine „Irren“. Hinzu kommt ebenfalls ein kurzes informatives Resümee über die Krankheit an sich. Wie gestaltet sich eine Erkrankung für den Betroffenen und seine Umwelt? Wodurch kommt es zu dem entscheidenden Ausbruch und vor allem auch welche Perspektive bietet sich im Bezug auf die Therapie und das nachfolgende Leben. Vor allem handelt es sich bei der Erkrankung aber um eine Angelegenheit des Zufalls. In wem eine verborgene Erkrankung schlummert, das bestimmt vor allem die genetische Prädisposition. Niemand kann etwas für seine Krankheit, niemand hat sie sich ausgesucht. Aus dem „Nichts“ heraus wird keine psychische Erkrankung generiert und geschöpft. Jedoch können verschiedene Umweltfaktoren, sofern man die entsprechende Disposition mit sich bringt, den Ausbruch der Krankheit katalysieren und schließlich zu einer Erkrankung führen. Diese „Katalysatoren“ sind von vielfältiger Art und reichen von traumatischen Erlebnissen über einen einfachen Schnupfen oder einen Unfall mit dem Rad, bis hin zum Abusus psychoaktiver Substanzen, insbesondere auch dem leichtfertigen, unreflektierten Konsum von Cannabis und entheogener Substanzen. 

Am Ende des Schulprojekts steht die Begegnung sowie das Gespräch mit Betroffenen. Was man sich vorher als theoretisches Wissen angeeignet hatte, findet nun erneute Bestätigung und wird massiv unterstrichen. Es ist mehr als beeindruckend, zu sehen und zu hören, wie Menschen mit ihrer Erkrankung umgehen und trotz aller Stöcke, die ihnen durch die Krankheit zwischen die Beine geworfen werden, doch schließlich den Weg in die gesellschaftliche Normalität antreten und bewältigen können. Mit einem Menschen zu sprechen, der erlebt hat, wie es ist, wenn man die Welt plötzlich mit unbekannten Augen erblickt, ein Mensch, der erzählt von allen Qualen und Hindernissen, aber auch allen Lichtblicken, dürfte auch beim Letzten bewirkt haben, alle Mauern, errichtet auf Unwissenheit, Angst und Vorurteilen, zu zersprengen. 

Angesichts der weit verbreiteten Unwissenheit und Halbwahrheiten über Schizophrenie und Co. sind Projekte wie BASTA mehr als eine Notwendigkeit. Mit dem Konzept von BASTA, lässt sich wirklich jedem anschaulich und vor allem auch auf einer persönlichen Ebene vermitteln, was es bedeutet, psychisch krank zu sein und damit leben zu müssen. Derartige Projekte werden wohl auch in näherer Zeit nicht an Relevanz einbüßen. Doch um der Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen in der Gesellschaft Einhalt zu gebieten, ist BASTA ein sehr richtiger und vor allem wichtiger Schritt, den es voll und ganz zu unterstützen gilt.

Ich möchte mich hiermit bei allen Mitwirkenden des BASTA- Projektes für die wertvolle geleistete Aufklärungsarbeit an unserer Schule bedanken. Mein Dank gilt auch insbesondere den Betroffenen, die sich überwinden konnten, frei über ihre Erkrankung zu berichten, um uns einen neuen und aufgeklärten Blickwinkel auf das Thema zu ermöglichen. Auch sei ein Dank an die Lehrkräfte gerichtet, die dies in die Wege geleitet haben.

Tim Krüger